Es hei�t,
die Seele des Baal-Schem-Tow sei einst, als alle Seelen in der Adams versammelt
waren, in der Stunde, da er am Baum der Erkenntnis stand, geflohen und habe
nicht von der Frucht des Baums gegessen.
Israel wurde
seinen Eltern in ihrem Alter geboren, und sie starben weg, als er noch ein Kind
war.
Da sein
Vater den Tod nahen f�hlte, nahm er den Knaben auf den Arm und sprach zu ihm:
�Ich sehe, dass du mein Licht zum Leuchten bringen wirst, und mir ist nicht
beschieden, dich grosszuziehen. Aber, geliebter Sohn, gedenke wohl all deine
Tage, dass Gott mit dir ist und du daher kein Ding der Welt zu f�rchten hast.�
Dieser
Spruch blieb im Herzen Israels.
Ein Zaddik erz�hlte: �Schon als der Meister noch ein
Knabe war, kam Ahia von Silo, der Prophet, zu ihm und lehrte ihn die Weisheit
der g�ttlichen Namen.
Und weil er noch so klein war, begehrte es ihn zu
erfahren, was zu wirken in seinem Verm�gen st�nde.
Eines Tages warf er einen Gurt in den Fluss Dnjestr,
der rei�end ging, sprach einen Namen und ging �ber das Wasser. Um diese
Handlung hat er dann all seine Tage Busse getan, dass er den Makel wieder
zurechtschaffe, und es geriet.
Denn einmal musste er den auch diesmal rei�end
gehenden Fluss �berqueren, weil etliche Hasser der Juden ihm nachsetzten und
ihm ans Leben wollten. So warf er seinen Gurt ins Wasser und ging dar�ber, ohne
einen Namen zu sprechen, mit nichts ger�stet als mit dem gro�en Glauben an den
Gott Israels.�
Es
wird von Israel ben Elieser erz�hlt: Als der Knabe heranwuchs, verdingte er
sich als Schulhelfer. Er
holte am Fr�hmorgen die Kinder aus den H�usern und brachte sie in die Schule
und ins Bethaus. Er sprach ihnen die Worte des Gebets, die im Chor gesprochen
werden, wie �Amen, es sei Sein Gro�er Name gesegnet in Ewigkeit�, mit einer
lieblichen Stimme vor. Im Gehen sang er ihnen vor und lehrte sie, zusammen mit
ihm zu singen. Zuletzt f�hrte er sie �ber Wiese und Wald wieder nach Haus.
Die
Chassidim erz�hlen, im Himmel habe man sich allmorgendlich dieser Lieder
erfreut wie einst des Gesangs der Leviten im Heiligtum zu Jerusalem. Es waren
Stunden der Gnade, in denen die himmlischen Scharen sich versammelten, um den
Stimmen der Sterblichen zu lauschen.
Darunter
aber war auch Satan. Er verstand wohl, da�, was sich da bereitete, seine Macht
auf Erden bedrohte. So ging er in den Leib eines Zauberers ein, der sich in
einen Werwolf zu verwandeln wusste.
Als einmal
Israel singend mit seiner Schar durch den Wald zog �berfiel
sie der Unhold, und die Kinder stoben schreiend auseinander.
Etliche unter ihnen erkrankten vom Schreck her, und
die V�ter beschlossen, dem Treiben des jungen Schulhelfers Einhalt zu tun.
Er aber gedachte der Sterbensworte seines Vaters, ging
von Haus zu Haus, versprach den Leuten, ihre Kinder zu sch�tzen, und es gelang
ihm, sie zu bewegen, dass sie ihm die kleine Schar noch einmal anvertrauten...
Mit einem kr�ftigen Stecken versehen, f�hrte er sie
das n�chste Mal an, und als der Werwolf wieder hervorbrach schlug er ihm den
Stecken an die Stirn, dass er auf der Stelle verreckte.
Tags darauf fand man den Zauberer tot auf seinem Bett.
In seiner
Jugend war Israel ben Elieser Hilfslehrer in einer kleinen Gemeinde unweit der
Stadt Brody. Die Leute wussten nichts von ihm; weil aber die Kinder mit einem so
fr�hlichen Eifer bei ihm lernten, wurden auch die V�ter ihm wohlgesinnt. Bald
verbreitete sich der Ruf, dass er weise sei; man kam zu ihm sich Rats zu
erholen; wo es einen Streit gab, wurde der junge Lehrer angegangen, ihn zu
schlichten. Er tat es so, dass der Mann, gegen den er entschied, den Spruch mit
nicht geringerer Zufriedenheit vernahm als sein Gegner, zu dessen Gunsten
entschieden worden war, und beide guten Muts von dannen zogen.
Einmal hatte
der Vater des gro�en Gelehrten Rabbi Gerschon Kitower, Rabbi Efraim, einen
Rechtshandel mit einem Mitglied der kleinen Gemeinde, deren Kinder der Baalschem
lehrte. Sie einigten sich darauf, ihre Sache vor den jungen Lehrer zu bringen
und ihn zu befragen. Als sie seine Stube betraten und Rabbi Efraim ihn ansah,
erschrak er; denn von der Stirn Israels leuchtete ihm ein geschwungenes Zeichen
entgegen, vollkommen gleich dem unvergesslichen, das er einen Blick lang auf der
schmalen Stirn der eigenen Tochter gesehen hatte, als ihm einst die Wehmutter
die neugeborene wies. Mit schwerer Zunge brachte er sein Anliegen vor; doch wie
er die gesenkten Augen wieder erhob, war das Zeichen verschwunden. Israel h�rte
zu, fragte, h�rte wieder, dann sprach er das Urteil; und alsbald zog in die
Herzen beider M�nner, die es vernahmen, der Friede ein, denn ihnen war, als sei
das lichte Recht selber aus der Nebelwand der Meinungen hervorgetreten.
Hernach kam
Rabbi Efraim zum Baalschem und bat ihn, er m�ge seine Tochter zum Weibe nehmen.
Israel stimmte zwar zu, bestand aber auf einer zwiefachen Bedingung: die
Vereinbarung solle zun�chst geheim bleiben, und in der Urkunde, die aufgesetzt
werden sollte, d�rfe nicht � wie es �blich war � seine Gelehrsamkeit ger�hmt
und seine Person nicht anders als mit dem Namen Israel ben Elieser erw�hnt
werden; �denn�, so f�gte er hinzu, �Ihr wollt mich und nicht mein Wissen
Eurer Tochter zum Gemahl�. Es geschah nach seinem Wunsch.
Als Rabbi
Efraim von seiner Reise heimkehrte, erkrankte er pl�tzlich und starb nach
wenigen Stunden. Sein Sohn, der gelehrte Rabbi Gerschon Kitower, kam, ihn zu
bestatten. Unter den Schriften des Vaters fand er auch die Heiratsurkunde und
las, da� seine Schwester einem Mann ohne gelehrten Titel und ohne den ber�hmten
Namen eines bedeutenden Geschlechts zugesprochen sei. Nicht einmal die Heimat
des Fremden war genannt. Sogleich teilte er der Schwester mit heftigen Worten
das Unerh�rte mit. Sie aber erwiderte nur, wenn dies des Vaters Wille gewesen
sei, k�nne nichts anderes auf der Welt das Rechte f�r sie sein.
Israel
wartete indes, bis das Jahr seines Lehramts um war. Dann legte er sein Gewand
ab, kleidete sich in einen kurzen Schafspelz mit breitem Ledergurt, wie ihn die
b�urischen M�nner tragen, und nahm deren Art auch in Rede und Geb�rde an. So
kam er nach Brody und in Rabbi Gerschons Haus. Israel tat dem Rabbi zu wissen,
er sei gekommen, sich sein Weib zu holen. Best�rzt rief Rabbi Gerschon die
Schwester herbei, dass sie den Mann betrachte, auf den die Wahl des Vaters
gefallen sei. Sie sagte nichts als: �Wenn er es so bestimmt hat, ist es von
Gott bestimmt� und hie� die Hochzeit r�sten.
Ehe sie zum
Baldachin gingen, unterredete sich der Baalschem mit seinem Weibe und offenbarte
ihr sein Geheimnis. Doch musste sie ihm geloben, es unverbr�chlich zu bewahren,
was immer auch �ber sie kommen m�ge; er verschwieg ihr nicht, dass gro�es
Elend und vielf�ltige Bedr�ngnis ihrer harre. Sie sagte nur, es sei recht so.
Nach der
Hochzeit sah Rabbi Gerschon bald, dass es unm�glich war, seinem unwissenden
Schwager die Thora zu lehren, ja ihm auch nur ein Wort der Lehre beizubringen.
Endlich sprach er zu seiner Schwester: �Ich sch�me mich deines Mannes. Willst
du dich von ihm trennen, so ist es gut. Willst du es nicht, so kaufe ich dir
Pferde und Wagen, und du kannst mit ihm fahren, wohin du magst.� Das war sie
zufrieden.
So fuhren
sie von dannen, bis sie in ein karpatisches St�dtchen kamen, wo die Frau
Wohnung nahm. Israel ging in die nahen Berge, baute sich eine H�tte und grub
Lehm. Sie kam zwei- oder dreimal in jeder Woche zu ihm, half den Lehm auf den
Wagen laden, brachte ihn in die Stadt und verkaufte ihn um weniges Geld.
Der
Baalschem fragte einst seinen Sch�ler, den Rabbi Meir Margaliot: �Meirl,
entsinnst du dich noch des Sabbats, als du die F�nfb�cher zu lernen begannst
� die gro�e Stube deines Vaterhauses war voller G�ste, man hatte dich auf
den Tisch gestellt, und du trugst deine Rede vor?�
Rabbi Meir sprach: �Wohl entsinne ich mich. Pl�tzlich kam meine Mutter herein und riss mich mitten in der Rede vom Tisch.
Mein Vater
wurde unwillig, sie aber zeigte nur auf einen Mann im kurzen Bauernpelz, der an
der T�r stand und mich ansah;
Da
verstanden alle, dass sie das b�se Auge f�rchtete. W�hrend sie noch nach der
T�r zeigte, war der Mann verschwunden.�
�Ich war es�,
sagte der Baalschem. �In solchen Stunden kann ein Blick gro�es Licht in eine
Seele sch�tten. Aber die Furcht der Menschen baut W�nde vor das Licht.�
Die Sch�ler
eines Zaddiks, der ein Sch�ler des Baalschem gewesen war, sa�en mittags vor
Sabbat beisammen und erz�hlten sich Wundertaten des Baalschem. Der Zaddik, der
nebenan in seiner Stube sa�, h�rte sie. Er �ffnete die T�re und sprach: �Was
habt ihr euch Wundergeschichten zu erz�hlen. Erz�hlt euch von seiner
Gottesfurcht! An jedem Sabbatvortag begann ihm das Herz so gewaltig zu pochen,
dass wir alle, die bei ihm waren, es h�rten.�
Ein Zaddik
erz�hlte: �Die Schauf�den am Gebetsmantel des heiligen Baalschemtow haben in
sich Leben und Seele gehabt. Sie konnten sich bewegen, ohne dass der Leib sich
bewegte. Denn durch die Heiligkeit seines Tuns hatte der heilige Baalschemtow
Leben und Seele in sie gezogen.�
Der
Baalschem sprach zu seinem Leibe: �Ich wundere mich, Leib, dass du noch nicht
zerbr�ckelt bist aus Furcht vor deinem Sch�pfer.�
Der
Baalschem sprach: �Alles verdanke ich den Tauchb�dern. Tauchen ist besser als
kasteien. Die Kasteiung schw�cht dir die Kraft, die du zu Andacht und Lehre
brauchst, das Tauchbad steigert sie.�
Am Fest der
Freude an der Lehre vergn�gten sich die J�nger im Haus des Baalschem;
Nach
etlichen Stunden kam die Frau des Baalschem in seine Kammer und sagte: �Wenn
sie nicht aufh�ren zu trinken, wird bald f�r die Sabbatweihe kein Wein mehr �brig
sein.�
Er
antwortete lachend: - �Recht redest du. Geh also zu ihnen und hei�e sie aufh�ren.�
Als sie die T�r der gro�en Stube �ffnete, sah sie: Die J�nger tanzten im Kreis, und um den tanzenden Kreis schlang sich lodernd ein Ring blauen Feuers...
Da nahm sie
selber eine Kanne in die rechte und eine Kanne in die linke Hand und eilte, die
Magd hinwegweisend, in den Keller, um alsbald mit den gef�llten Gef��en zur�ckzukehren.
An einem
Abend des Festes der Freude an der Lehre tanzte der Baalschem selber mit seiner Gemeinde.
Er nahm eine Schriftrolle in seine Hand und tanzte mit ihr.
Dann gab er
die Rolle aus der Hand und tanzte ohne sie.
In diesem
Augenblick sagte einer der Sch�ler, der mit den Bewegungen des Baalschem
sonderlich vertraut war, zu den Gef�hrten:
�Jetzt hat
unser Meister die leibliche Lehre aus der Hand getan und hat die geistige Lehre
an sich genommen.�
Einer der Sch�ler fragte einst den Baalschem: �Was
soll mein Gesch�ft in der Welt sein?� �Kantor�, sagte er. �Aber�, wandte
jener ein, �ich kann doch nicht singen!�
�Ich will
dich�, antwortete der Zaddik, �an die Welt der Musik binden.�
Aus diesem
Mann ist ein S�nger ohnegleichen geworden, und man nannte ihn weit und breit
den Kantor des Baalschemtow.
Nach
vielen Jahren kam er mit seinem Bass�nger, der ihn nie verlie�, nach Lisensk,
zu Rabbi Elimelech, dem Sch�lerssch�ler des Baalschem. Der Rabbi und sein Sohn
Eleasar konnten lange nicht �bereinkommen, ob man die beiden am Sabbat im
Bethaus mit dem Chor vorsingen lassen solle, denn Rabbi Elimelech f�rchtete, er
w�rde durch den kunstvollen Gesang in seiner Andacht gest�rt werden; aber
Eleasar machte geltend, um der Heiligkeit des Baalschemtow willen d�rfe man dem
Mann die Ehrung nicht vorenthalten, und es blieb dabei, dass er am Sabbatempfang
singen sollte.
Als
er jedoch begann, merkte Rabbi Elimelech, dass die gro�e Andacht dieses Gesangs
in die seine einstr�mte und ihn von Sinnen zu bringen drohte, und er musste die
Einladung r�ckg�ngig machen. Doch behielt er den Kantor den Sabbat �ber bei
sich und erwies ihm viele Ehren.
Nach
Sabbatausgang lud ihn der Rabbi aufs neue zu sich und forderte ihn auf, von der
Leuchte Israels, dem heiligen Baalschemtow, zu erz�hlen.
Der
Mann begann zu reden, und es war offenbar, dass alle Inbrunst seines Herzens,
die sonst in sein Singen einzugehen pflegte, in sein Reden einging. Er erz�hlte,
wie der Meister in der Folge der Lobges�nge keinen Vers sprach, ehe er den
besonderen Engel dieses Verses gesehen und seine besondere Melodie geh�rt
hatte. Er erz�hlte von den Stunden, in denen sich die Seele des Meisters zum
Himmel erhob und der Leib wie tot zur�ckblieb. Dort unterredete sich die Seele
mit wem sie sich unterredete, mit Mose dem Getreuen Hirten, und mit dem Messias,
und fragte und bekam Antwort. Er erz�hlte, wie der Meister mit jedem Gesch�pf
der Erde in dessen Sprache zu reden wusste und mit jedem Himmelswesen in dessen
Sprache.
Er
erz�hlte wie der Meister, wenn er irgendein Ger�t sah, sogleich die
Beschaffenheit des Mannes kannte, der es gemacht hatte, und seine Gedanken, w�hrend
er es machte.
Und
dann stand der Kantor auf und bezeugte, er und seine Gef�hrten h�tten die
Thora durch den Mund des Meisters empfangen wie Israel am Sinai durch Donner und
Posaunenschall, und noch sei die g�ttliche Stimme auf Erden nicht erstorben,
sondern w�hre fort und lasse sich h�ren.
Einige
Zeit nach dem Besuch in Lisensk legte sich der Kantor hin und starb. Drei�ig
Tage danach, es war wieder ein Freitag, kam der Bass�nger vom Tauchbad und
sagte zu seiner Frau: �Ruf schnell die Totenbruderschaft zusammen, dass sie f�r
meine Bestattung Sorge tragen;
denn
man hat im Paradies meinen Kantor betraut, zum Sabbatempfang zu singen, und er
will es nicht ohne mich tun.�
Er
legte sich hin und starb.
Man
bat einst den Baalschem, nach dem Gemeindegebet zu predigen. Er begann die
Predigt, inmitten aber erfasste ihn ein Beben, wie es ihm zuweilen inmitten des
Gebets widerfuhr; er brach ab und sprach: �Ach, Herr der Welt, dir ist es
offenbar, nicht zu meiner Ehre spreche ich...�, und wieder brach er ab, und
dann st�rzten die Worte aus seinem Mund: �Vieles hab� ich erkannt, vieles
hab� ich vermocht, und da ist keiner, dem ich�s er�ffnen k�nnte.� Und
sprach nicht weiter.
Der
Baalschem kam einst kurz vor dem Neuen Jahr in eine Stadt und fragte die Leute,
wer hier an den Furchtbaren Tagen vorbete. Sie antworteten, es sei der Raw der
Stadt selber.
�Und
wie ist sein Brauch beim Beten?� fragte der Baalschem weiter. �Am Vers�hnungstag�,
sagten sie, �tr�gt er alle S�ndenbekenntnisse mit den fr�hlichsten Weisen
vor.�
Der
Baalschem schickte um den Raw und befragte ihn nach dem Grund seines seltsamen
Verhaltens.
�Der
geringste unter den Knechten des K�nigs�, erwiderte der Raw, �der den Au�enhof
vom Schmutz zu s�ubern hat, singt zur Arbeit seine fr�hlichen Liedlein; denn
er tut sein Werk, um den K�nig zu erfreuen.�
�So
m�ge mir�, sagte der Baalschem, �ein Los neben dem Euren zufallen.�
Der
Baalschem sprach: �Was bedeutet das, was die Leute sagen: �Die Wahrheit geht
�ber die ganze Welt?� Es bedeutet, dass sie von Ort zu Ort versto�en wird
und weiterwandern muss.�
Der
Baalschem sprach einmal zu seinen Sch�lern: �Wie im Blatt die Kraft der
Wurzel, so ist in jedem Ger�t die Kraft des Menschen, der es gemacht hat, und
dessen Beschaffenheit und Gebaren sind daraus zu erkennen.�
Da
fiel sein Blick auf einen sch�nen Bierkrug, der vor ihm stand; er deutete
darauf und sprach weiter: �Ist es diesem Krug nicht anzusehen, da� ihn ein
Mann ohne F��e gemacht hat?�
Als
der Baalschem geendet hatte, nahm einer der Sch�ler von ungef�hr den Krug, um
ihn auf die Bank zu stellen. Aber sowie er darauf stand, zerfiel er in kleine
Brocken.
Durch
Rabbi Nachman von Bratzlaw ist uns dieser Spruch seines Urgro�vaters, des
Baalschemtow, �berliefert: �Wehe, die Welt ist voller gewaltiger Lichter und
Geheimnisse, und der Mensch verstellt es sich mit seiner kleinen Hand�.
Es
wird erz�hlt: �Einst war der Baalschem gen�tigt, den Sabbat auf freiem Felde
einzuweihen. Er weidete aber unfern eine Schafherde.
Als
er den Segen sprach, der die nahende Braut Sabbat begr��t, erhoben sich die
Schafe auf ihre Hinterf��e und blieben so, dem Meister zugewandt, bis er das
Gebet vollendet hatte. Denn solange es die Andacht des Baalschem vernahm, war
jedes Gesch�pf in seiner Urhaltung, wie es am Throne Gottes steht.�
Es
wird erz�hlt:
�Eine
Frau aus einem Dorf unweit von Mesbiz
kam oft hingefahren und brachte allerhand Gaben, Fische und Gefl�gel, Butter
und Mehl, ins Haus des Baalschem. Unterwegs musste sie durch einen kleinen
Fluss. Einmal war der Fluss �ber die Ufer getreten, und als die Frau dennoch
hin�berzukommen versuchte, ertrank sie. Der Baalschem gr�mte sich um die gute
Frau. Im Gram verw�nschte er den Fluss, und er versiegte.
Aber
der F�rst des Flusses erhob im Himmel Klage, und es wurde entschieden, es solle
irgend einmal wenige Stunden lang wieder Wasser im Fluss sein, und der Fluss
solle �ber die Ufer treten, und jemand von den Nachkommendes Baalschem solle
hindurch wollen, und keiner d�rfe ihm helfen, es sei denn der Baalschem selber.
Mehrere Jahre nach seinem Tode kam ein Sohn nachts des Weges, verirrte sich und
fand sich vor dem Fluss, den er des hochgehenden Wassers wegen nicht
wiedererkannte. Er wollte ihn durchqueren, wurde aber bald von den Fluten
erfasst und mitgerissen.
Da
sah er �ber dem Ufer ein brennendes Licht, das erleuchtete Ufer und Fluss. Er
holte seine Kraft zusammen, entrann der Flut und erreichte das Ufer. Das
brennende Licht ist der Baalschem selber gewesen.�
Ein
Zaddik erz�hlte: �Der Baalschemtow erwartete, er werde einst im Sturm wie
Elija zum Himmel auffahren. Als sein Weib starb, sprach er: �Ich habe
erwartet, ich w�rde im Sturm wie Elija auffahren zum Himmel. Jetzt aber, da ich
nur noch der Halbscheid eines Lebens bin, kann es nicht mehr sein.��
Nach
dem Passahfest erkrankte der Baalschem. Doch fuhr er fort, im Bethaus vor dem
Pult zu beten, soweit seine Kr�fte es zulie�en.
Den
Sch�lern, die f�hig waren, sich im Gebet einzusetzen, jetzt aber an anderen
Orten weilten, lie� er keine Nachricht zukommen, und die unter ihnen, die in
Mesbiz
weilten, schickte er an andere Orte. Nur Rabbi Pinchas von Korez weigerte sich
heimzufahren.
Am
Vorabend des Wochenfestes versammelte sich die Gemeinschaft, um, wie allj�hrlich
um diese Zeit, die Nacht im Werk der Lehre zu verbringen. Der Baalschem sprach
zu ihnen �ber die Offenbarung am Sinai.
Am
Morgen lie� er die Vertrauten holen. Zun�chst rief er zwei von ihnen zu sich
und wies sie an, dass sie sich beide mit seinem Leichnam und der Bestattung
befassen sollten. Er zeigte ihnen an seinem Leibe, Glied um Glied, wie die Seele
daraus abzuscheiden begehrte, und lehrte sie das Wahrgenommene bei anderen
Kranken anwenden; denn diese zwei geh�rten der Bruderschaft an, die sich mit
dem Tod und der Bestattung befasst.
Dann
lie� er eine Zehnerschaft sich mit ihm zum Beten zusammentun. Er lie� sich das
Gebetbuch geben und sagte: �Ich will mich noch ein wenig mit Gott abgeben.�
Nach
dem Gebet ging Rabbi Nachman von Horodenka ins Lehrhaus, um f�r ihn zu beten.
Der Baalschem sprach: �Umsonst ersch�ttert er den Himmel. Er kann nicht zur
Pforte hinein, durch die ich einzutreten pflegte.�
Als
sp�ter der Diener einmal in die Stube kam, h�rte er den Baalschem sprechen:
�Ich gebe dir die zwei Stunden�, und verstand, er sage zum Todesengel, er
brauche ihn die zwei letzten Stunden nicht zu peinigen; aber Rabbi Pinchas
verstand besser, was er meinte. �Er hatte�, sagte er, �noch zwei Stunden
zu leben, und von denen sprach er zu Gott, er gebe sie ihm als Geschenk. Dies
ist ein rechtes Seelenopfer.�
Dann
kamen, wie allj�hrlich an diesem Tag, die Leute aus der Stadt, und er sprach
Worte der Lehre zu ihnen.
Sp�ter
sagte er zu den Sch�lern, die ihn umstanden: �Nicht um mich trage ich Sorge.
Ich wei� ja in aller Klarheit: zur einen T�r geh� ich hinaus, zur andern T�r
geh� ich ein.� Und wieder sagte er: �Jetzt wei� ich, wozu ich erschaffen
worden bin.�
Er
sa� im Bett auf und sprach eine kurze Lehrrede �ber den �Pfeiler�, auf dem
die Seelen nach dem Tode vom untern Paradies zum obern Paradies, zum �Baum des
Lebens�, aufsteigen, und legte den Vers aus dem Buch Esther aus: �Und damit
kam das M�dchen zu dem K�nig.� Auch sprach er: �Ich komme gewiss noch
wieder, aber nicht, wie ich jetzt bin.�
Danach
hie� er das Gebet �Und es sei Huld� sprechen und streckte sich im Bette
aus, setzt sich aber wieder etliche Male auf und fl�sterte, wie man es an ihm
kannte, wenn er seine Seele in der Andacht ausrichtete. Eine Weile h�rte man
nichts mehr, und er lag still.
Danach
befahl er, ihn mit dem Laken zu bedecken. Noch h�rte man ihn aber fl�stern:
�Mein Gott, Herr aller Welten!� und danach den Psalmvers: �Nicht komme
mich der Fu� des Hochmuts an.�
Die
er angewiesen hatte, sich mit seinem Leichnam und der Bestattung zu befassen,
sagten hernach, sie h�tten die Seele des Baalschem wie eine blaue Flamme
aufsteigen sehn.
Letzte �nderung:
18.05.13
�
webmaster:
georg winkler